Ich glaube es gibt 3 Standardfragen, die sich jeder Fotograf gefallen lassen muss:

  1. „Kannst du ein Foto von mir machen?“
  2. „Wie schwer/teuer ist deine Kamera?“
  3. „Du kennst dich ja aus, welche Kamera soll ich mir kaufen?“

Aber bevor ich nun versuche diese dritte Frage auf dieser Seite zu beantworten, möchte ich dennoch eine andere Frage klären, nämlich die Frage, warum ausgerechnet meine Ratschläge euch weiterhelfen sollten. Tatsächlich ist es so, dass diese Frage, also welche Kamera gekauft werden soll, schon mehrfach gestellt und versucht wurde zu beantworten. Da waren ein paar – in Fotokreisen – doch bekannte Leute dabei. Fotografen, Influencer, Youtuber oder zusammengefasst, lauter Leute, die vermutlich mehr Ahnung haben als ich. 

Dennoch bekomme ich diese Frage aber tatsächlich häufiger gestellt, von Leuten aus meinem direkten Umfeld. Vermutlich, weil ich mir nach meinen fast 10 Jahren im Fotoumfeld doch langsam den Ruf aufgebaut habe, dass ich doch was weiß. Das Problem ist nur – und das sage ich so offen wie möglich – dass diese Frage keine richtige oder falsche Antwort hat. Die Antwort kann eigentlich nur bestmöglich eingegrenzt werden, aber niemals wird sie ganz beantwortet werden können.

Barry Schwartz, der Autor des Buches „Anleitung zur Unzufriedenheit“, schreibt in seinem Buch, dass wir „unzufriedener werden, je mehr Auswahl uns bei Kaufentscheidungen zur Verfügung stehen.“ Ich persönlich glaube, dass das der springende Punkt ist, wo viele Menschen beim Kamerakauf verzweifeln. Eine Kamera zu kaufen is eigentlich leicht, aber der Markt fügt noch eine ganz spezielle Komplexität hinzu. Nämlich jene, die richtige Entscheidung treffen zu wollen. Oder anders: Als das Leasing für mein Auto im Juni 2017 ausgelaufen ist, habe ich das nächste Auto bewusst so ausgewählt, dass viel Platz, aber vor allem genug Platz für ein Kind ist. Ich habe also damals klar gesagt, dass mein nächstes Auto ein Familienfahrzeug sein soll.

Beim Kamerakauf ist es nicht anders, mit dem Unterschied, dass noch zu viel mehr dazu kommt.

Im April 2010, also dem Tag an dem ich meine erste Spiegelreflexkamera gekauft habe (Canon 1000D), war meine Welt noch in Ordnung. Ich hab mir eine Kamera gekauft, ein Standardobjektiv dazu, eine Tasche, ein Akku und eine Speicherkarte. Alles um ein paar hundert Euro. Ich wollte einfach nur fotografieren. Mit meiner Erfahrung und meinem Wissen ist schon nach kurzer Zeit eine gewisse Komplexität in meinen Kamerakauf gekommen. Meine nächste Kamera habe ich dann – so ehrlich will ich sein – recht kopflos ausgewählt. Es hätte keine 7D sein müssen. Es hätten keine 4 Objektive sein müssen, aber ich wusste meine fotografische Richtung noch nicht.

Im Jahr 2014 oder 2015 hatte ich die fixe Idee – und wer mich kennt weiß, dass ich bei sowas leicht den Kopf verliere – eine neue Kamera zu kaufen. Es sollte was leichtes sein. Ich wollte kürzer treten und weniger fotografieren. Mir wären sogar Rückschritte recht gewesen. Ich hab’s dann nicht getan, weil kurz darauf die Eagles in mein Leben getreten sind und meine Kamera und mein ganzes Zubehör eigentlich auf Sportfotografie ausgelegt sind. Ich hab also unbewusst die richtige Entscheidung getroffen.

Im Jahr 2017 wollte ich eine zusätzliche Kamera. Claudia war schwanger und ich wollte eine leichte Kamera, um unser Kind zu fotografieren. Da wusste ich plötzlich ganz gut was ich wollte. Klein, leicht, schnell einsatzbereit, aber trotzdem jede Kontrolle über die Einstellungen und … ganz wichtig … die Kamera sollte das RAW-Format können, damit ich weiterhin alles bearbeiten konnte. Geworden ist es die Canon G9X Mark2. Eigentlich war das die perfekte Entscheidung.

Was all diese Beispiele sollen?

Die Frage nach der perfekten Kamera ist nicht, was sie können soll, sondern was ich damit machen will und deshalb ist eine richtige Entscheidung schwer. Natürlich gibt es für diverse Anwendungsfälle diverse Antworten: Portraitfotografen brauchen keine langen Brennweiten, aber Lichtstärke. Sportfotografen brauchen eine lange Brennweite und einen schnellen Autofokus. Makrofotografen brauchen vermutlich ein Makroobjektiv. Und so weiter … und so weiter … DAS ist die Komplexität, von der ich geschrieben habe. Das macht die Kameraentscheidung so schwer.

FAZIT:
Stellt die Frage weiter. Entweder mir, oder irgendjemandem, dem ihr vertraut und dem ihr zutraut, die Frage zu beantworten. Im Endeffekt werdet ihr immer eine Gegenfrage gestellt bekommen. Nämlich: „Was willst du damit machen?“ Das klingt nervig, hilft aber die richtige Kamera für euch zu finden. Meiner Meinung nach ist die Antwort leicht: „Keep it simple, if you don’t know what you want“. Ich würde euch vermutlich zu einer Allround Kamera raten, die 90% aller Anwendungsfälle abdeckt. 

Aber ich helfe euch auch, wenn ihr schon wisst was ihr machen wollt 😉